Von désespérées zu passionnées: Damen 3. Liga B (die Passionierten) gegen Volley Espoirs Bienne

Der erste Match in der besseren Tableauhälfte nach einer langen Spielpause. Treffpunkt schon um 18 Uhr. Alle stressen weg vom Job oder vom Baby in die Gymhalle nach Biel. Unsere Gegner sind 10 top motivierte Mädchen von Volley Espoirs Bienne (im Schnitt knapp halb so alt wie wir) und fast ebenso viele Elternpaare im Publikum. Nur unser Coach Remo fehlt. Der liegt mit der Grippe im Bett. Schöne Aussichten…

Die Stimmung ist zu Beginn komisch. Jede überlässt gerne der Kollegin den Vortritt: „Auso, we du gern wetsch, de blibi süsch scho dusse, mueschs nume säge…“ Wenig überraschend liegen wir bald klar zurück, nicht weniger als 6-7 Punkte. Der erste Satz ist schlicht zum Vergessen.

Auch im 2. Satz haben wir uns schon bald wieder einen Riesenrückstand eingehandelt. Zu allem Elend kämpfen wir irgendwie auch noch gegen den Schiedsrichter. Ein ums andere Mal pfeift er Sarahs Pässe ab, wegen angeblichem oder tatsächlichem Doppel. Es ist zum Verzweifeln. Ich überlege mir ernsthaft, wieso ich mir das überhaupt noch antue, wieso ich noch Volleyball spiele…

Dann gegen Ende des 2. Satzes wird es endlich besser. Mehr Bewegung, mehr Motivation, mehr Pfupf. Und ein Timeout, während dem Sophie, unsere Motivatorin aus dem Luzernischen, die vielleicht matchentscheidenden Worte spricht: „Hey, die send villech d’Espoir, aber mir send ned désesperées, mer send passionnées!“

Das ist die Wende. Zwar nicht mehr für den 2. Satz, der geht noch verloren. Aber im 3. Satz sind wir dran. Mit starken Service und Angriffen und wenig Eigenfehler holen wir uns ein paar Punkte Vorsprung und geben die einfach nicht mehr her. Es ist ja unterdessen auch schon 20 Uhr vorbei, normalerweise trainieren wir um diese Zeit. Endlich kommen wir auf Touren und erreichen unsere übliche Betriebstemperatur.

Im 4. Satz läuft’s noch besser. Uns gelingt fast alles. Es ist eine Freude auf dem Feld zu stehen. Nach ein paar Wochen der Unpässlichkeit feiert insbesondere Cathre ein furioses Comeback. Der 4. Satz geht klar an uns.

Jetzt geht’s ins Tie-Break. Da müssten wir mit unserer Erfahrung und Routine eigentlich im Vorteil sein, möchte man meinen. Aber kaum angefangen, sind wir gegen die Teenies schon 5:1 hinten. Das darf doch nicht wahr sein, war die ganze Aufholjagd etwa für die Katz… ?!? Zum Glück kommt Sophie an den Service. Und legt eine Serie von 7 Punkten hin. 9:5 für uns. Christa doppelt nach und wir sind mit komfortablen 13:7 Punkten vorn. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Doch noch geben sich die Bielerinnen nicht geschlagen. Sie kommen wieder ran. Ihre Ersatzspielerinnen bedienen sich schamlos am Nidauer Liedgut und singen, was die Stimmbänder hergeben. Doch wir halten dagegen. Mittespielerin Dani ist mit ihrem Block überall, vereitelt einen Angriff nach dem andern. Wir kommen zum ersten Matchball… und verpassen die Chance. Stattdessen kommt Biel noch näher, gleicht aus, 14 zu 14, überholt uns und kommt seinerseits zum Matchball. Für einen stolzen Papi oben auf der Empore gibt es kein Halten (und keine Schamgrenze) mehr…

Nur jetzt bloss nicht die Nerven verlieren und keinen Fehler mehr machen. Endlich zahlt sich unser gesetztes Alter auch mal aus: wir spielen schön langsam, konzentriert und kontrolliert jeden Ball zurück und hoffen auf einen Patzer der Jungen. Sie tun uns den Gefallen. Wir gleichen aus auf 15:15. Und liegen gleich wieder einen Punkt hinten. Irgendwie retten wir uns und gleichen erneut aus, 16:16. Was für ein Krimi! Cathre kommt an den Service. Mit beneidenswerter Gelassenheit serviert sie ein Mal, zwei Mal und dann ist es endlich geschafft: Nach gut zwei Stunden sind die Bieler Hoffnungen geplatzt und wir im 7. Volleyball-Himmel. Ja, noch haben wir’s wirklich drauf…

Volley Espoirs Bienne : VBC Nidau 2:3 (25:16; 25:23; 22:25; 20:25 und 16:18)

Spielerinnen: Sarah, Céline, Christa, Nicole, Sophie, Marina, Dani, Cathre und Katja.